
Man kann sich das Prinzip ein bisschen wie eine unsichtbare statistische Handschrift vorstellen. Wenn Claude einen Text erzeugt, muss das Modell an vielen Stellen zwischen mehreren möglichen Wörtern oder Formulierungen wählen. Zum Beispiel muss es sich zwischen «beginnen» und «starten» entscheiden. Das Wasserzeichen beeinflusst diese Auswahl auf eine Weise, die für Leserinnen und Leser nicht erkennbar sein soll. Über genügend Text entsteht dadurch ein statistisches Muster, das später mit einem passenden Prüfverfahren erkannt werden kann.
Wichtig dabei: Anthropic sagt ausdrücklich, dass keine versteckten Zeichen in den Text eingefügt werden. Das Wasserzeichen sitzt vielmehr in der Art und Weise, wie der Text erzeugt wird. Deshalb kann es beim Kopieren und Einfügen erhalten bleiben.
Hier wird es interessant. Wie sich das konkrete Claude-Wasserzeichen zuverlässig und gezielt zum Verschwinden bringen lässt, ist derzeit noch nicht abschliessend untersucht. Das Grundprinzip der Technik ist inzwischen bekannt, die konkrete Implementierung und vor allem ihre Robustheit gegenüber gezielten Veränderungen sind aber noch nicht vollständig dokumentiert. Eigene Prüfwerkzeuge von Anthropic sind ebenfalls noch in Entwicklung. Es gibt aber einige naheliegende Ansätze. Sie beruhen alle auf demselben Prinzip: Wenn sich der Text stark verändert, verändert sich auch das statistische Muster, das Claude ursprünglich eingebaut hat.
Einfaches Kopieren und Einfügen entfernt die Markierung nicht. Auch eine andere Schriftart, neue Formatierung oder ein paar ausgetauschte Wörter verändern das zugrunde liegende statistische Signal nicht zwangsläufig ausreichend. Anthropic beschreibt das Wasserzeichen ausdrücklich als robust gegenüber gewöhnlichen Vorgängen wie Copy & Paste und leichter Bearbeitung. Erst stärkere Veränderungen können das Signal deutlich schwächen. Deshalb sind pauschale Versprechen von sogenannten «Watermark Removern», die zurzeit besonders in den sozialen Medien verbreitet werden, mit Vorsicht zu betrachten. Für ein bestimmtes Tool lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, dass es Claude-Wasserzeichen zuverlässig entfernt.
Das neue Claude-Wasserzeichen steht im Zusammenhang mit dem EU AI Act, der für KI-generierte Inhalte eine maschinenlesbare Kennzeichnung vorsieht. Damit wurde ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel lanciert: Jede Transparenzbemühung ist gleichzeitig eine Einladung dazu, Lösungen zur Umgehung zu entwickeln. Noch gibt es offenbar keine verlässlich funktionierende Methode, um das konkrete Claude-Wasserzeichen gezielt zu entfernen. Dass entsprechende Methoden entwickelt werden, ist allerdings zu erwarten. Spannend wird deshalb sein, wie sich das Rennen zwischen Kennzeichnung, Erkennung und Umformulierung entwickelt.
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