KI-Blog

Claude-Texte neu mit unsichtbaren Wasserzeichen

16 Aug 2026
Nik Thomi
Seit August 2026 versieht Anthropic Texte aus neuen Claude-Modellen mit einem unsichtbaren Wasserzeichen. Für dich heisst das: Was du aus Claude kopierst, kann theoretisch als KI-generiert erkennbar bleiben, auch wenn du davon nichts siehst. Hintergrund sind die neuen Transparenzanforderungen des EU AI Act.
  • Neue Claude-Modelle versehen ihre Texte seit August 2026 mit einer unsichtbaren Markierung.
  • Die Markierung steckt im Text selbst und kann deshalb auch beim Kopieren und Einfügen erhalten bleiben.
  • Starkes Umschreiben, Übersetzen oder Kürzen kann die Markierung verändern oder verschwinden lassen.
  • Wie zuverlässig sich die Markierung gezielt entfernen lässt, ist derzeit noch wenig erforscht.

Wie funktioniert das Wasserzeichen?

Man kann sich das Prinzip ein bisschen wie eine unsichtbare statistische Handschrift vorstellen. Wenn Claude einen Text erzeugt, muss das Modell an vielen Stellen zwischen mehreren möglichen Wörtern oder Formulierungen wählen. Zum Beispiel muss es sich zwischen «beginnen» und «starten» entscheiden. Das Wasserzeichen beeinflusst diese Auswahl auf eine Weise, die für Leserinnen und Leser nicht erkennbar sein soll. Über genügend Text entsteht dadurch ein statistisches Muster, das später mit einem passenden Prüfverfahren erkannt werden kann.

Wichtig dabei: Anthropic sagt ausdrücklich, dass keine versteckten Zeichen in den Text eingefügt werden. Das Wasserzeichen sitzt vielmehr in der Art und Weise, wie der Text erzeugt wird. Deshalb kann es beim Kopieren und Einfügen erhalten bleiben.

Kann man das Wasserzeichen entfernen?

Hier wird es interessant. Wie sich das konkrete Claude-Wasserzeichen zuverlässig und gezielt zum Verschwinden bringen lässt, ist derzeit noch nicht abschliessend untersucht. Das Grundprinzip der Technik ist inzwischen bekannt, die konkrete Implementierung und vor allem ihre Robustheit gegenüber gezielten Veränderungen sind aber noch nicht vollständig dokumentiert. Eigene Prüfwerkzeuge von Anthropic sind ebenfalls noch in Entwicklung. Es gibt aber einige naheliegende Ansätze. Sie beruhen alle auf demselben Prinzip: Wenn sich der Text stark verändert, verändert sich auch das statistische Muster, das Claude ursprünglich eingebaut hat.

  1. Claude-Text mit einer anderen KI umschreiben lassen
    Kopiere den fertigen Claude-Text zum Beispiel in ChatGPT und lasse ihn dort neu formulieren. Dadurch entsteht eine neue Version des Textes, die nicht mehr direkt aus Claude stammt. Je stärker der Text verändert wird, desto eher dürfte dabei auch das ursprüngliche statistische Muster geschwächt werden. Ob das langfristig funktioniert, ist allerdings eine andere Frage: Es ist durchaus anzunehmen, dass auch andere grosse KI-Anbieter künftig eigene Wasserzeichen oder ähnliche Herkunftsmarkierungen einsetzen werden.
  2. Übersetzen und wieder zurückübersetzen
    Kopiere den Text beispielsweise in DeepL, übersetze ihn ins Englische und anschliessend wieder zurück ins Deutsche. Durch die beiden Übersetzungen verändert sich die Formulierung des ursprünglichen Textes. Deshalb ist es plausibel, dass eine solche Transformation das ursprüngliche Claude-Signal schwächt. Eine Garantie gibt es auch hier nicht.
  3. Den Text selbst deutlich überarbeiten
    Noch sinnvoller ist häufig die klassische redaktionelle Bearbeitung: Absätze neu ordnen, Sätze umformulieren, eigene Beispiele ergänzen, Passagen streichen und eigene Gedanken einbauen. Je stärker sich der Text vom ursprünglichen Claude-Output entfernt, desto eher dürfte sich auch das ursprüngliche Muster verändern.
  4. Nur einen Entwurf von Claude verwenden
    Wer den Anteil direkt von Claude erzeugten Textes möglichst gering halten möchte, kann Claude beispielsweise für Recherche, Ideen, Gliederung oder erste Formulierungen einsetzen und den eigentlichen Text anschliessend selbst verfassen. Auch das ist allerdings keine technische Garantie dafür, dass eine vorhandene Markierung verschwindet. Entscheidend ist, wie viel vom ursprünglichen Claude-Output im fertigen Text erhalten bleibt.

Was eher nicht funktioniert

Einfaches Kopieren und Einfügen entfernt die Markierung nicht. Auch eine andere Schriftart, neue Formatierung oder ein paar ausgetauschte Wörter verändern das zugrunde liegende statistische Signal nicht zwangsläufig ausreichend. Anthropic beschreibt das Wasserzeichen ausdrücklich als robust gegenüber gewöhnlichen Vorgängen wie Copy & Paste und leichter Bearbeitung. Erst stärkere Veränderungen können das Signal deutlich schwächen. Deshalb sind pauschale Versprechen von sogenannten «Watermark Removern», die zurzeit besonders in den sozialen Medien verbreitet werden, mit Vorsicht zu betrachten. Für ein bestimmtes Tool lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, dass es Claude-Wasserzeichen zuverlässig entfernt.

Unser Fazit

Das neue Claude-Wasserzeichen steht im Zusammenhang mit dem EU AI Act, der für KI-generierte Inhalte eine maschinenlesbare Kennzeichnung vorsieht. Damit wurde ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel lanciert: Jede Transparenzbemühung ist gleichzeitig eine Einladung dazu, Lösungen zur Umgehung zu entwickeln. Noch gibt es offenbar keine verlässlich funktionierende Methode, um das konkrete Claude-Wasserzeichen gezielt zu entfernen. Dass entsprechende Methoden entwickelt werden, ist allerdings zu erwarten. Spannend wird deshalb sein, wie sich das Rennen zwischen Kennzeichnung, Erkennung und Umformulierung entwickelt.

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